NABU Ortsgruppe Warstein

Wasserdemo am 17.04.2010

 

 

Die Nabu Ortsgruppe Warstein unterstützt die Aktivitäten der Initiative Trinkwasser. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.wasserdemo.de.

 

Hier eine Stellungnahme der 
Nabu Ortsgruppe Warstein
  vom 05.02.06 zu den geplanten Eingriffen in das NSG Oberhagen:

Eines der besonders reizvollen Naturschutzgebiete der Stadt Warstein ist der 1985 unter Schutz gestellte Oberhagen mit seiner vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt. Die Ausweisung zum Naturschutzgebiet (NSG) erfolgte vorwiegend zur Erhaltung und Förderung der sehr seltenen Pflanzengesellschaften des Kalkbuchenwaldes, aus wissenschaftlichen, landeskundlichen und geologischen Gründen sowie wegen der Seltenheit und Eigenart der Erzgruben.

Oberhagen 

Foto: Risse Gelände und rechts das NSG Oberhagen

Er dient aber auch insbesondere der Bevölkerung als einziges verbliebenes Naherholungsgebiet, nachdem Hohe Liet und Hillenberg verschwunden sind, der Erholung und Entspannung. Dieses Kleinod soll nun an seinem sensibelsten Bereich, und das sind nun mal die ersten 20 bis 30 Meter ab der Felskante, mit seiner stabilisierenden Krautschicht einer zweifelhaften Sache geopfert werden. Diese Krautschicht, bestehend aus Schwarzdorn, Weißdorn und Hagedorn sowie Holunder, Pfaffenhütchen u.a. schützt die sehr dünne Humusschicht  vor Austrocknung und Erosion. Sie ermöglicht erst den Frühblühern von Annemonen und Lungenkraut bis Waldmeister und Türkenbundlilie ihre Entfaltung. Erst diese Verbindung macht das NSG Oberhagen zu einem Ökosystem erster Klasse. Vogelfreunde wissen zudem, daß der Oberhagen nicht nur Brutrevier des kleinsten Vogels unserer Heimat, dem Zaunkönig ist sondern auch dem größten, des Uhus.

Man darf sagen, wenn man das NSG Oberhagen mit einem schmucken Ring vergleicht, daß ihm mit der geplanten Maßnahme  der Edelstein rausgebrochen wird.

Geomorphologisch gehört der Oberhagen zum Warsteiner Massenkalk oder Karstgebiet. Die namhaften Geologen Michael Koch und Gerd Michel aus Krefeld definieren ein Karstgebiet wie folgt: "Es speichert Wasser in niederschlagsreichen Zeiten, um es in niederschlagsarmen Zeiten wieder abzugeben. Als Überlauf dienen Quellen. Die wichtigsten sind  bekanntermaßen die Lörmecke,- Hillenberg-, und Bullerteich-Quellen. Allein aus diesen Quellen werden über 100 000 Menschen mit Trinkwasser bester Qualität versorgt und es könnten noch viele mehr sein. In diesem Zusammenhang erinnern wir auch an die Treise-Quelle, Salzbörnchen und die Quellen welche an der Ostseite der Wäster austreten und allesamt durch die aktuellen Planungen aufs Höchste gefährdet sind.

Koch und Michels bezeichnen das Warsteiner Karstgebiet als einzigartig und zwar haben sie schon Mitte der siebziger Jahre festgestellt daß aus unserem Karstgebiet doppelt soviel Wasser abfließt als an Niederschlag runter kommt, etwa 30 Mio zu 16 Mio Kubikmeter.

Es gibt aber auch eine Gefahr für unser Trinkwasser, Koch und Michels formulieren das so.:

"Für den Bestand des Massenkalks als Grundwasserleiter ist es eine Frage der Zeit, wie lange er als solcher noch zu erhalten ist." Diese Gefahr gilt für den gesamten Steinabbau im Karstgebiet und vergrößert sich von Tag zu Tag. Als eine womöglich noch größere Gefahr für unsere Quellen muß das versickern von Schadstoffen aller Art ins Grundwasser angesehen werden. Dieses Risiko trifft in besonderem Maße für den Bereich Rissegelände zu. Ehemalige Mitarbeiter von Steinrisse haben wiederholt glaubhaft versichert, daß nur knapp unter der  Steinbruchsohle zahlreiche Wasseradern vorhanden sind. Erinnern sollte man sich auch an die Erstellung des Fundaments der Volksbank, wo man sich vor Wassereinbrüchen kaum zu retten wußte und daraus sehr kostspielige Sicherungsmaßnahmen folgten. Eine Verunreinigung der Bullerteichquellen wäre ein Desaster für die ganze Region. Das Risiko multipliziert sich, je näher das geplante überdimensionierte Bauvorhaben samt Parkplätzen an den angrenzenden Quellbereich heranreicht. Es ist höchste Zeit, daß sich unsere gewählten Volksvertreter an den Slogan von der grünen Stadt mit Zukunft erinnern und einen Vorschlag der Bezirksregierung aufgreifen wo es heißt.: "daß sich die ausgebeuteten Flächen nicht selten zu interessanten Sekundärbiotopen entwickeln". Diese müßten der geplagten Bevölkerung von Warstein zugänglich sein, um für die vielen durch Steinbrüche zerstörten Naherholungsgebiete etwas zu entschädigen

Hiermit möchten wir uns voll und ganz mit den Zielen der  "INITIATIVE OBERHAGEN" solidarisieren

für die Ortsgruppe Nabu Warstein

Karl Beleke

Alois Appelbaum

Gerhard Hengsbach





Geschichte und Aktivitäten der Nabu Ortsgruppe Warstein

 

 

 

Ansicht von Warstein/Piusberg anno1936

Um auch in Warstein einen Beitrag zum effektiven Naturschutz zu leisten, gründeten Mitglieder des Nabu, damals hieß es noch D B V "Deutscher Bund für Vogelschutz", auf Anregung des Kreisverbandes Soest und eigene Initiative am 09.10.1992 die Nabu Ortsgruppe Warstein.

Die Aktivitäten einzelner Mitglieder beschränkten sich bis dahin auf die Herstellung und Anschaffung von Nistkästen sowie deren Aufhängung, Kontrolle und Säuberung. Näheres dazu auf den folgenden Webseiten.

Strukturbedingt bietet das Stadtgebiet viele Möglichkeiten, Naturschutz aktiv in die Tat umzusetzen. Immerhin verfügt, oder besser gesagt, verfügte die Stadt Warstein in überreichem Maße über wichtige Rohstoffe und war auch auf Grund des Fleißes seiner Bewohner eine der wohlhabendsten Städte in ganz Westfalen.

An erster Stelle der Ressourcen muß hier der Stadtwald mit einer Gesamtfläche von 4900 ha genannt werden. Zweitens die noch vorhandenen großen Grund- und Trinkwasserreserven und drittens die leider viel zu schnell fast abgebaute Ressource Kalkstein. Hier muß ganz einfach die Frage erlaubt sein, wo denn geschrieben steht, dass ein Rohstoff, welcher in 4oo Mio. Jahren gewachsen ist, binnen ein bis zwei Generationen abgebaut werden darf.

Bekanntermaßen werden in solchen Fällen immer wieder die sogenannten wirtschaftlichen Sachzwänge vorgeschoben. So gesehen ist auch nicht verwunderlich, dass das Wort Naturschutz leider bei einigen Verantwortungsträgern in Rat und Parlament ein Reizwort besonderer Art ist.

Wie sonst ist es zu verstehen, wenn bei einer Ratssitzung die anwesenden Steinbruchbetreiber darauf hingewiesen wurden, doch bitte darauf zu achten, dass in ihren Steinbrüchen keine schützenswerten Bereiche entstünden, da das nur Ärger mit den Naturschützern gäbe. Eine kleine Gruppe würde gerne Naturschutz mit Bergrecht "aushebeln". So ist es nicht weiter verwunderlich, dass man immer wieder versucht, nach EU-Norm geplante FFH Gebiete zu blockieren.

Gerade die südlichen Flurbereiche der Gemeinden Warstein, Suttrop und Kallenhardt waren bis vor ca. 40 Jahren, bedingt auch durch die Nähe zum Wald , sehr schöne und intakte Lebensräume für Menschen und zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Der gesamte Bereich wurde überwiegend ökologisch landwirtschaftlich genutzt und diente vorwiegend an den Wochenenden der schaffenden Bevölkerung als Naherholungsgebiet. Hier wurde Kraft getankt für die kommende Woche und der Begriff B S E stand nicht einmal im Lexikon.

Durch den schon erwähnten rigorosen Steinabbau, welchem im übrigen auch die Kulturhöhle Eppenloch zum Opfer fiel, nachweislich lebten hier vor über 10 000 Jahren zeitweise ebenso wie in Bilsteinhöhle und Hohlem Stein die ersten Bewohner Warsteins. Durch falsch plazierte Industrieansiedlung, Verschmutzung usw. ist der Erholungswert des Gebietes so gut wie verlorengegangen.

Am gravierendsten aber ist, und das nicht nur unserer Meinung nach, dass bei weiterem Abbau und sonstiger Bebauung gleich welcher Art, die Speicherfähigkeit der noch vorhandenen Böden weiter abnimmt, der Wasserhaushalt und damit die Trinkwasserversorgung nicht nur der angrenzenden Gemeinden, sondern auch des gesamten Kreises Soest zunehmend gefährdet wird. Insbesondere für unsere nachfolgenden Generationen keine rosigen Aussichten.

Auf den folgenden Webseiten möchten wir über Aktivitäten der Ortsgruppe informieren. Dazu die Vorstellung alter und neuer Naturschutzgebiete und sonstiger schützenswerter Bereiche.

Hier werden dann Namen und Begriffe auftauchen wie: Bachschwinden und Schwalgen, Feuchtgebiete und Quellen, Nistkästen und Naturnaher Waldbau, Höhlen, Biotope, Dolinen, Karstgebiete usw.

Vielleicht bekommen Sie bei der Lektüre ja Spass an unserer Sache und steigen bei uns ein.

Es wird höchste Zeit.

K. Beleke